Primfaktorzerlegung¶
Primzahlen¶
Eine natürliche Zahl \(p > 1\) heißt Primzahl, wenn sie nur durch \(1\) und sich selbst teilbar ist. Die ersten Primzahlen sind:
Jede natürliche Zahl \(n > 1\), die keine Primzahl ist, heißt zusammengesetzt und besitzt mindestens einen Teiler \(d\) mit \(1 < d < n\).
Fundamentalsatz der Arithmetik¶
Jede natürliche Zahl \(n > 1\) lässt sich als Produkt von Primzahlen schreiben, und diese Zerlegung ist bis auf die Reihenfolge der Faktoren eindeutig:
Dabei sind \(p_1 < p_2 < \cdots < p_k\) Primzahlen und \(e_1, e_2, \ldots, e_k \geq 1\) die zugehörigen Exponenten.
„The unique factorization of integers into primes is the foundation on which all of number theory rests." — Kenneth Ireland, Michael Rosen, A Classical Introduction to Modern Number Theory, Springer, 1990.
Beispiel. $$ 360 = 2^3 \cdot 3^2 \cdot 5 $$
Die Zerlegung \(360 = 8 \cdot 45 = 8 \cdot 9 \cdot 5\) führt auf dieselben Primfaktoren.
Existenz¶
Die Existenz folgt durch vollständige Induktion: Ist \(n\) eine Primzahl, so ist \(n\) selbst die Zerlegung. Ist \(n\) zusammengesetzt, so existiert ein Teiler \(1 < d < n\) mit \(n = d \cdot (n/d)\). Beide Faktoren sind kleiner als \(n\) und besitzen nach Induktionsvoraussetzung eine Primfaktorzerlegung.
Eindeutigkeit¶
Die Eindeutigkeit beruht auf dem Lemma von Euklid: Teilt eine Primzahl \(p\) ein Produkt \(a \cdot b\), so teilt \(p\) mindestens einen der Faktoren:
Dieses Lemma folgt aus dem Lemma von Bézout (siehe: Teilbarkeit und ggT).
Anwendungen¶
ggT und kgV über Primfaktorzerlegung¶
Mit den Zerlegungen \(a = \prod p_i^{\alpha_i}\) und \(b = \prod p_i^{\beta_i}\) gilt:
Beispiel. \(a = 2^3 \cdot 3 \cdot 5^2 = 600\) und \(b = 2^2 \cdot 3^2 \cdot 7 = 252\):
Anzahl der Teiler¶
Die Anzahl der positiven Teiler von \(n = p_1^{e_1} \cdots p_k^{e_k}\) beträgt:
Beispiel. \(360 = 2^3 \cdot 3^2 \cdot 5\) hat \(\tau(360) = 4 \cdot 3 \cdot 2 = 24\) Teiler.
Versagen der eindeutigen Zerlegung in erweiterten Ringen¶
Der Fundamentalsatz gilt in \(\mathbb{Z}\), aber nicht in allen Zahlringen. Das klassische Gegenbeispiel:
In \(\mathbb{Z}[\sqrt{-5}] = \{a + b\sqrt{-5} : a, b \in \mathbb{Z}\}\) gilt:
Beide Zerlegungen bestehen aus irreduziblen Elementen, die sich nicht ineinander überführen lassen. Die eindeutige Primfaktorzerlegung versagt.
Dieses Problem motivierte Kummers Einführung der idealen Zahlen (heute: Ideale in Dedekind-Ringen), die die eindeutige Zerlegung auf der Ebene der Ideale wiederherstellen. Kummers Arbeit war ein entscheidender Schritt in der Geschichte von Fermats Letztem Satz.
Zusammenfassung¶
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Primzahl | \(p > 1\) mit genau zwei Teilern: \(1\) und \(p\) |
| Fundamentalsatz | Jede \(n > 1\) ist eindeutiges Produkt von Primzahlen |
| Lemma von Euklid | \(p \mid ab \implies p \mid a\) oder \(p \mid b\) |
| \(\gcd\) via Zerlegung | \(\prod p_i^{\min(\alpha_i, \beta_i)}\) |
| \(\tau(n)\) | Teileranzahl: \(\prod (e_i + 1)\) |
Quellen¶
- Hardy, G.H.; Wright, E.M.: An Introduction to the Theory of Numbers. Oxford University Press, 6. Auflage, 2008. Kapitel 2.
- Ireland, Kenneth; Rosen, Michael: A Classical Introduction to Modern Number Theory. Springer, 2. Auflage, 1990. Kapitel 1.