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Primfaktorzerlegung

Primzahlen

Eine natürliche Zahl \(p > 1\) heißt Primzahl, wenn sie nur durch \(1\) und sich selbst teilbar ist. Die ersten Primzahlen sind:

\[ 2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19, 23, 29, \ldots \]

Jede natürliche Zahl \(n > 1\), die keine Primzahl ist, heißt zusammengesetzt und besitzt mindestens einen Teiler \(d\) mit \(1 < d < n\).

Fundamentalsatz der Arithmetik

Jede natürliche Zahl \(n > 1\) lässt sich als Produkt von Primzahlen schreiben, und diese Zerlegung ist bis auf die Reihenfolge der Faktoren eindeutig:

\[ n = p_1^{e_1} \cdot p_2^{e_2} \cdots p_k^{e_k} \]

Dabei sind \(p_1 < p_2 < \cdots < p_k\) Primzahlen und \(e_1, e_2, \ldots, e_k \geq 1\) die zugehörigen Exponenten.

„The unique factorization of integers into primes is the foundation on which all of number theory rests." — Kenneth Ireland, Michael Rosen, A Classical Introduction to Modern Number Theory, Springer, 1990.

Beispiel. $$ 360 = 2^3 \cdot 3^2 \cdot 5 $$

Die Zerlegung \(360 = 8 \cdot 45 = 8 \cdot 9 \cdot 5\) führt auf dieselben Primfaktoren.

Existenz

Die Existenz folgt durch vollständige Induktion: Ist \(n\) eine Primzahl, so ist \(n\) selbst die Zerlegung. Ist \(n\) zusammengesetzt, so existiert ein Teiler \(1 < d < n\) mit \(n = d \cdot (n/d)\). Beide Faktoren sind kleiner als \(n\) und besitzen nach Induktionsvoraussetzung eine Primfaktorzerlegung.

Eindeutigkeit

Die Eindeutigkeit beruht auf dem Lemma von Euklid: Teilt eine Primzahl \(p\) ein Produkt \(a \cdot b\), so teilt \(p\) mindestens einen der Faktoren:

\[ p \mid ab \implies p \mid a \text{ oder } p \mid b \]

Dieses Lemma folgt aus dem Lemma von Bézout (siehe: Teilbarkeit und ggT).

Anwendungen

ggT und kgV über Primfaktorzerlegung

Mit den Zerlegungen \(a = \prod p_i^{\alpha_i}\) und \(b = \prod p_i^{\beta_i}\) gilt:

\[ \gcd(a, b) = \prod p_i^{\min(\alpha_i, \beta_i)}, \quad \operatorname{lcm}(a, b) = \prod p_i^{\max(\alpha_i, \beta_i)} \]

Beispiel. \(a = 2^3 \cdot 3 \cdot 5^2 = 600\) und \(b = 2^2 \cdot 3^2 \cdot 7 = 252\):

\[ \gcd(600, 252) = 2^2 \cdot 3 = 12, \quad \operatorname{lcm}(600, 252) = 2^3 \cdot 3^2 \cdot 5^2 \cdot 7 = 12600 \]

Anzahl der Teiler

Die Anzahl der positiven Teiler von \(n = p_1^{e_1} \cdots p_k^{e_k}\) beträgt:

\[ \tau(n) = (e_1 + 1)(e_2 + 1) \cdots (e_k + 1) \]

Beispiel. \(360 = 2^3 \cdot 3^2 \cdot 5\) hat \(\tau(360) = 4 \cdot 3 \cdot 2 = 24\) Teiler.

Versagen der eindeutigen Zerlegung in erweiterten Ringen

Der Fundamentalsatz gilt in \(\mathbb{Z}\), aber nicht in allen Zahlringen. Das klassische Gegenbeispiel:

In \(\mathbb{Z}[\sqrt{-5}] = \{a + b\sqrt{-5} : a, b \in \mathbb{Z}\}\) gilt:

\[ 6 = 2 \cdot 3 = (1 + \sqrt{-5})(1 - \sqrt{-5}) \]

Beide Zerlegungen bestehen aus irreduziblen Elementen, die sich nicht ineinander überführen lassen. Die eindeutige Primfaktorzerlegung versagt.

Dieses Problem motivierte Kummers Einführung der idealen Zahlen (heute: Ideale in Dedekind-Ringen), die die eindeutige Zerlegung auf der Ebene der Ideale wiederherstellen. Kummers Arbeit war ein entscheidender Schritt in der Geschichte von Fermats Letztem Satz.


Zusammenfassung

Begriff Definition
Primzahl \(p > 1\) mit genau zwei Teilern: \(1\) und \(p\)
Fundamentalsatz Jede \(n > 1\) ist eindeutiges Produkt von Primzahlen
Lemma von Euklid \(p \mid ab \implies p \mid a\) oder \(p \mid b\)
\(\gcd\) via Zerlegung \(\prod p_i^{\min(\alpha_i, \beta_i)}\)
\(\tau(n)\) Teileranzahl: \(\prod (e_i + 1)\)

Quellen

  • Hardy, G.H.; Wright, E.M.: An Introduction to the Theory of Numbers. Oxford University Press, 6. Auflage, 2008. Kapitel 2.
  • Ireland, Kenneth; Rosen, Michael: A Classical Introduction to Modern Number Theory. Springer, 2. Auflage, 1990. Kapitel 1.