Relationen und Äquivalenzklassen¶
Relationen¶
Eine (binäre) Relation auf einer Menge \(M\) ist eine Teilmenge \(R \subseteq M \times M\). Für \((a, b) \in R\) schreibt man \(a \sim b\) (oder \(aRb\)).
Beispiel. Auf \(\mathbb{Z}\) definiert „\(a\) teilt \(b\)" eine Relation: \(a \mid b\) genau dann, wenn \((a, b)\) in der Relation liegt.
Äquivalenzrelationen¶
Eine Relation \(\sim\) auf \(M\) heißt Äquivalenzrelation, wenn sie drei Eigenschaften erfüllt:
| Eigenschaft | Bedingung |
|---|---|
| Reflexivität | \(a \sim a\) für alle \(a \in M\) |
| Symmetrie | \(a \sim b \implies b \sim a\) |
| Transitivität | \(a \sim b\) und \(b \sim c \implies a \sim c\) |
Beispiel. „Gleicher Rest bei Division durch \(n\)" ist eine Äquivalenzrelation auf \(\mathbb{Z}\):
Diese Relation heißt Kongruenz modulo \(n\) und wird als \(a \equiv b \pmod{n}\) geschrieben.
Äquivalenzklassen¶
Die Äquivalenzklasse eines Elements \(a \in M\) bezüglich \(\sim\) ist die Menge aller zu \(a\) äquivalenten Elemente:
„Equivalence relations are ubiquitous in mathematics. They provide the mechanism by which we identify objects that are 'essentially the same'." — Serge Lang, Algebra, Springer, 2002.
Beispiel. Für die Kongruenz modulo \(3\) auf \(\mathbb{Z}\):
Diese drei Klassen sind die Restklassen modulo 3.
Eigenschaften¶
- Jedes Element gehört zu genau einer Äquivalenzklasse.
- Zwei Äquivalenzklassen sind entweder identisch oder disjunkt: \([a] = [b]\) oder \([a] \cap [b] = \emptyset\).
- \([a] = [b]\) genau dann, wenn \(a \sim b\).
Partition¶
Eine Partition einer Menge \(M\) ist eine Zerlegung von \(M\) in nichtleere, paarweise disjunkte Teilmengen, deren Vereinigung ganz \(M\) ergibt.
Fundamentaler Zusammenhang: Jede Äquivalenzrelation auf \(M\) erzeugt eine Partition von \(M\) (die Menge der Äquivalenzklassen), und umgekehrt definiert jede Partition eine Äquivalenzrelation.
Die Menge aller Äquivalenzklassen heißt Quotientenmenge (oder Faktormenge):
Beispiel. \(\mathbb{Z}/{\equiv_n} = \{[0], [1], \ldots, [n-1]\}\) ist die Menge der Restklassen modulo \(n\), gewöhnlich als \(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z}\) geschrieben.
Faktorstrukturen in der Algebra¶
Äquivalenzklassen ermöglichen die Konstruktion neuer algebraischer Strukturen:
-
Restklassenringe: \(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z}\) entsteht durch die Kongruenzrelation modulo \(n\). Addition und Multiplikation werden auf den Klassen definiert: \([a] + [b] = [a+b]\) und \([a] \cdot [b] = [a \cdot b]\).
-
Faktorgruppen: In einer Gruppe \(G\) mit Normalteiler \(N\) bilden die Nebenklassen \(gN\) eine Gruppe \(G/N\).
-
Faktorringe: In einem Ring \(R\) mit Ideal \(I\) bilden die Nebenklassen \(a + I\) einen Ring \(R/I\).
Diese Konstruktionen durchziehen die gesamte abstrakte Algebra und sind zentral für die Theorie der Ringe und Körper, die im Beweis von Fermats Letztem Satz eine Rolle spielen.
Zusammenfassung¶
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Relation | \(R \subseteq M \times M\) |
| Äquivalenzrelation | Reflexiv, symmetrisch, transitiv |
| Äquivalenzklasse | \([a] = \{x \in M : x \sim a\}\) |
| Partition | Zerlegung in disjunkte, nichtleere Teilmengen |
| Quotientenmenge | \(M/{\sim} = \{[a] : a \in M\}\) |
| Restklassen | \(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z} = \{[0], [1], \ldots, [n-1]\}\) |
Quellen¶
- Lang, Serge: Algebra. Springer, 3. Auflage, 2002. Kapitel I.
- Bourbaki, Nicolas: Éléments de mathématique: Théorie des ensembles. Springer, 2006. Kapitel II, § 6.