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Teilbarkeit und ggT

Teilbarkeit

Eine ganze Zahl \(a\) teilt eine ganze Zahl \(b\), wenn ein \(k \in \mathbb{Z}\) existiert mit \(b = k \cdot a\). Notation: \(a \mid b\).

\[ a \mid b \iff \exists\, k \in \mathbb{Z}: b = k \cdot a \]

Beispiel. \(3 \mid 12\), denn \(12 = 4 \cdot 3\). Dagegen \(3 \nmid 7\), denn es gibt kein ganzzahliges \(k\) mit \(7 = k \cdot 3\).

Grundlegende Eigenschaften

  • Reflexivität: \(a \mid a\) für alle \(a \neq 0\).
  • Transitivität: Aus \(a \mid b\) und \(b \mid c\) folgt \(a \mid c\).
  • Linearität: Aus \(a \mid b\) und \(a \mid c\) folgt \(a \mid (b + c)\) und \(a \mid (b - c)\).

Division mit Rest

Für beliebige ganze Zahlen \(a\) und \(b\) mit \(b > 0\) existieren eindeutige ganze Zahlen \(q\) (Quotient) und \(r\) (Rest) mit:

\[ a = q \cdot b + r, \quad 0 \leq r < b \]

Beispiel. \(17 = 2 \cdot 7 + 3\). Hier ist \(q = 2\) und \(r = 3\).

Die Division mit Rest ist die Grundlage der modularen Arithmetik und des Euklidischen Algorithmus.

Größter gemeinsamer Teiler (ggT)

Der größte gemeinsame Teiler zweier ganzer Zahlen \(a\) und \(b\) (nicht beide \(0\)) ist die größte positive ganze Zahl, die sowohl \(a\) als auch \(b\) teilt:

\[ \gcd(a, b) = \max\{d \in \mathbb{N} : d \mid a \text{ und } d \mid b\} \]

Beispiel. Die Teiler von \(12\) sind \(\{1, 2, 3, 4, 6, 12\}\), die Teiler von \(18\) sind \(\{1, 2, 3, 6, 9, 18\}\). Gemeinsame Teiler: \(\{1, 2, 3, 6\}\). Also \(\gcd(12, 18) = 6\).

Teilerfremdheit

Zwei Zahlen \(a\) und \(b\) heißen teilerfremd, wenn \(\gcd(a, b) = 1\).

Beispiel. \(\gcd(8, 15) = 1\), also sind \(8\) und \(15\) teilerfremd.

Der Euklidische Algorithmus

Der Euklidische Algorithmus berechnet \(\gcd(a, b)\) durch wiederholte Division mit Rest. Die zentrale Eigenschaft:

\[ \gcd(a, b) = \gcd(b, a \bmod b) \]

Ablauf

Gegeben: \(a, b \in \mathbb{Z}\) mit \(a \geq b > 0\).

  1. Berechne \(r = a \bmod b\).
  2. Falls \(r = 0\): \(\gcd(a, b) = b\). Fertig.
  3. Sonst: Setze \(a \leftarrow b\), \(b \leftarrow r\) und wiederhole ab Schritt 1.

Beispiel: \(\gcd(252, 105)\)

Schritt \(a\) \(b\) \(r = a \bmod b\)
1 252 105 42
2 105 42 21
3 42 21 0

Ergebnis: \(\gcd(252, 105) = 21\).

Korrektheit

Der Algorithmus terminiert, weil die Reste streng monoton fallen (\(r < b\) in jedem Schritt). Er ist korrekt, weil \(\gcd(a, b) = \gcd(b, r)\) gilt: Jeder gemeinsame Teiler von \(a\) und \(b\) teilt auch \(r = a - q \cdot b\), und umgekehrt.

Lemma von Bézout

Für alle \(a, b \in \mathbb{Z}\) (nicht beide \(0\)) existieren \(x, y \in \mathbb{Z}\) mit:

\[ \gcd(a, b) = x \cdot a + y \cdot b \]

Die Koeffizienten \(x, y\) lassen sich durch den erweiterten Euklidischen Algorithmus berechnen.

Beispiel. \(\gcd(252, 105) = 21\). Es gilt \(21 = 1 \cdot 252 + (-2) \cdot 105\), also \(x = 1, y = -2\).

Das Lemma von Bézout ist ein zentrales Werkzeug in der Zahlentheorie. Es impliziert unter anderem: Sind \(a\) und \(b\) teilerfremd und \(a \mid bc\), dann \(a \mid c\).


Zusammenfassung

Begriff Definition
\(a \mid b\) Es existiert \(k \in \mathbb{Z}\) mit \(b = ka\)
Division mit Rest \(a = qb + r\) mit \(0 \leq r < b\)
\(\gcd(a,b)\) Größter gemeinsamer Teiler
Teilerfremd \(\gcd(a,b) = 1\)
Euklidischer Algorithmus \(\gcd(a,b) = \gcd(b, a \bmod b)\)
Bézout \(\gcd(a,b) = xa + yb\) für geeignete \(x, y \in \mathbb{Z}\)

Quellen

  • Hardy, G.H.; Wright, E.M.: An Introduction to the Theory of Numbers. Oxford University Press, 6. Auflage, 2008. Kapitel 1–2.
  • Burton, David M.: Elementary Number Theory. McGraw-Hill, 7. Auflage, 2010. Kapitel 2.